Dubiose Einflüsse auf unser Denken 
über den sexuellen Missbrauch von Kindern

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"Falsche Erinnerungen" an sexuellen Missbrauch?

 Die Spaltung der Welt

Seit Mitte der Neunziger Jahre können Kindesmissbraucher wieder Hoffnung schöpfen. Einige Jahre sah es aus als würde es ungemütlich für sie werden. Doch dann entdeckten einige Personen in Philadelphia, die des Missbrauchs beschuldigt wurden, ein neues Phänomen. 

Ihre Entdeckung aus dem Jahr 1992 hat mittlerweile viele Gesichter und viele Namen, zum Beispiel: 
j „Falsche Erinnerungen“ 
j „induzierte Erinnerungen“
j „subjektiv ehrliche, gleichwohl falsche Aussagen“
j „Missbrauch-mit-dem-Missbrauch“
j und das Original heißt: „False Memory Syndrome“ (vgl. auch: http://www.false-memory-syndrome.de)

Gemeint ist immer das Gleiche, nennen wir es einmal die „Theorie des eingebildeten oder eingeredeten Missbrauchs“: Personen (Kinder oder Erwachsene) berichten, sie seien sexuell missbraucht worden. Alsbald stellen dann die Beschuldigten, meist zusammen mit einflussreichen Unterstützern, öffentlich klar: Die erklärten Opfer hätten tatsächlich Erinnerungen an sexuellen Missbrauch. Aber ihnen sei nichts von dem widerfahren, woran sie sich erinnern. Die Erinnerungen seien anderweitig in ihr Gehirn gekommen, nämlich durch Einbildung, respektive Einredung.

Bald schon griffen ein paar wenige, aber lautstarke Wissenschaftler diese fantastische (und in Wahrheit gar nicht neue) "Entdeckung" auf und lieferten das, was sie Beweise nennen. Da rissen sich auch Strafverteidiger und die Presse um immer "neue Fälle" der nun "wissenschaftlich bewiesenen" versehentlichen Falschanschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs.

Heute ist das wandlungsfähige Phänomen aus unserer Haltung zum Thema sexueller Missbrauch gar nicht mehr wegzudenken - obwohl viele nicht einmal die Begriffe kennen, welche von Beschuldigten und ihren Unterstützern verwendet werden.

Die Welt teilt sich seitdem in vier Gruppen, was das Denken über den sexuellen Missbrauch und seine Bekämpfung angeht.

Gruppe 1: Beschuldigt Therapeuten, Polizei, Medien, Kinderschützer u.a. der Verursachung versehentlicher Falschbeschuldigungen. Betont das Recht auf die Unschuldsvermutung. Ihr Motto: "Lieber 1000 Kinder missbraucht als 1 Erwachsener unschuldig im Gefängnis." Wer anders denkt und den Berichten von Missbrauchsopfern grundsätzlich Glauben schenkt, gehört für sie zu den "Wahren Gläubigen". Sich selbst bezeichnen sie oft als "Skeptiker".

Gruppe 2: Die Kinderschützer, die sexuellen Missbrauch bekämpfen. Ihr Motto: "Lieber kein einziges Kind mehr missbraucht." Nur wenige aus dieser Gruppe bezeichnen übrigens Gruppe 1 als Kindesmissbraucher oder nehmen überhaupt zu deren Behauptungen Stellung. Sie glauben an die Durchsetzungskraft von Wahrheit und Recht.

Gruppe 3: Die breite Allgemeinheit, Teil 1. Hat sowohl von Gruppe 1 als auch von Gruppe 2 schon gehört. Glaubt, dass beide Recht haben und sorgt sich sowohl um sexuellen Missbrauch als auch um versehentliche Falschanschuldigungen.

Gruppe 4: Die breite Allgemeinheit, Teil 2. Hat von der ganzen Diskussion nichts mitbekommen und lebt in dem Glauben, Kinderschützer (einschließlich Polizei) hätten viel Rückhalt und könnten ohne nennenswerte Störungen ihre Arbeit machen.

  Sind Therapeuten und Kinderschützer eine gefährliche Spezies?

Laut Martha Schalleck ("Rotkäppchens Schweigen") unterliegt jede der oben genannten vier Gruppen  folgenschweren Irrtümern. Hier einige der wichtigsten Hintergrundinformationen zusammengefasst, die zeigen, dass Gruppe 1 und Gruppe 3 sich irren:

j Die Dunkelziffer bei sexuellem Missbrauch liegt bei ungefähr 1:15. Das bedeutet, in einem von 15 Fällen wird ein sexueller Missbrauch angezeigt. Wie plausibel ist es da, dass dieser eine angezeigte Fall ein erfundener, versehentlich eingeredeter ist? Oder wie es im Buch formuliert ist: „Wo um Himmels Willen sind die echten Fälle? Zeigt wirklich niemand je tatsächlichen sexuellen Missbrauch an, sondern immer nur erfundenen?“

j Der angeblich „wissenschaftliche Beweis“ des eingeredeten Missbrauchs stützt sich auf zwei Säulen, erstens auf die traditionelle Erinnerungsforschung und zweitens auf sogenannte „Einpflanzungsexperimente“. Beide werden im Folgenden kurz beschrieben.

- Die traditionelle Erinnerungsforschung findet im psychologischen Forschungslabor statt.  Dort kann man aus ethischen Gründen keine auch nur annähernd dem sexuellen Missbrauch vergleichbare Situation für die Versuchsteilnehmer schaffen. Aber gerade große Angst und starker Stress beeinträchtigen die Erinnerung sowie den gesamten (Stress-) stoffwechsel von Kindern nachhaltig und hinterlassen sogar bleibende organische Schäden im Gehirn. Ein direkter Schluss, wie er von den "Skeptikern" aus den Erinnerungsexperimenten auf die Erinnerung von Missbrauchsopfern gezogen wird, ist somit unzulässig.

- In den „Einpflanzungsexperimenten“ (z.B. Einkaufsstraßenexperiment von E. Loftus) arbeiten die Forscher wie folgt: Den Probanden werden eine Reihe von Erlebnissen aus ihrer eigenen Kindheit vorgelegt (nach Absprache mit deren älteren Verwandten). Ihnen wird vorgelogen, die Verwandten könnten bezeugen, dass alles stattgefunden habe. Dann werden sie aufgefordert, ausgiebig über diese Erlebnisse nachzudenken und dabei fehlende Erinnerungen durch Fantasien zu ersetzen. Am Ende liefert jeder vierte Teilnehmer einen Bericht über das erfundene Ereignis ab und hält es für wahr. 
Voilá!  So einfach geht das. Nur dass diese Experimente mit dem, was den Therapeuten und Kinderschützern vorgeworfen wird, praktisch nichts gemeinsam haben. Denn diese sollen ihren Schützlingen alles ganz aus Versehen und mit feinsten, unbewusst gesendeten Signalen einreden. 
Doch gar nichts passiert in diesen Studien versehentlich, noch sind die Suggestionen mit ihren gefälschten Beweisen irgendwie fein oder "subtil". Einmal ganz abgesehen von der Tatsache, dass die erfundenen Erlebnisse zwar nach Angaben der Forscher „traumatisch“ waren, in Wirklichkeit aber über „beängstigend“ nicht hinausgehen (z.B.: „In einer Einkaufsstraße verloren gehen“). Eine Übertragung solcher Forschungen auf Therapiesituationen oder die Erinnerungen an sexuellen Missbrauch entbehrt jeder Seriosität.

j Die Verteidigungstheorie des versehentlich eingebildeten Missbrauchs eignet sich hervorragend, um Kindesmissbraucher  zu entlasten. Sie wird von ihren Vertretern zwar so präsentiert als sei ihre einzige Absicht und mögliche Funktion, Unschuldige zu entlasten. Doch wenn man ihren vermeintlichen Beweisen folgt, ist es nicht schwierig, damit den meisten Opfern sexuellen Missbrauchs „falsche Erinnerungen“ zu unterstellen – oder wenigstens als Möglichkeit darzustellen. Und dann gilt natürlich: Im Zweifel für den Angeklagten.
Was das letztlich für den Schutz von Kindern in unserer Gesellschaft bedeutet, mag sich jeder selbst ausmalen.

Es ist übrigens kein Zufall, dass die professionelle Verleumdung der Opfer (und ihrer Helfer) von Wissenschaftlern in den USA entwickelt wurde. Mit der Verteidigung wohlhabender Missbrauchsverdächtiger und millionenschweren Schadensersatzprozessen gegen die Helfer der Opfer ist dort schon mancher als Gerichtsgutachter reich geworden.

„Für die USA stellt ein Fachmann fest, dass Gerichtsgutachter überhaupt nicht vernünftig leben können, wenn sie nicht bestechlich sind. Die Folge davon ist: Es werden fehlerhafte, unzuverlässige, ungültige, sogar offensichtlich falsche Behauptungen und Meinungen vertreten, um das Gericht zu desinformieren, zu täuschen oder zu verwirren. Dass ein Gutachter nichts tut als die Theorie der Verteidigung zu vertreten, ist nichts Ungewöhnliches.“ (zit. aus Coles/Veiel in: Rotkäppchens Schweigen)

Wissen hilft, 
Kinder zu schützen.

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